21/05/13 - Eine snuische Hochzeit

Snuisch? Was ist das? Wie ihr wisst, studiere ich an der Seoul National Universität oder kurz SNU. An der Uni werden deswegen in Uni-Zeitschriften oder auf Schildern lustige Ausdrücke mit diesen Initialen gemacht. In diesem Beitrag möchte euch vorstellen, wie SNU-Studenten heiraten, also eine snuische Hochzeit.

Am vergangenen Sonntag war ich auf der Hochzeit eines Promotionsstudenten unseres Fachbereichs. Die Hochzeit fand auf unserem Campus statt, aber es war ganz am südlichen Ende drei Kilometer vom Haupttor entfernt. Das heißt, dass man den Bus dahin nehmen musste. Einer meiner Freunde meinte, dass dieser Teil soweit abgelegen ist, dass es gar nicht mehr als Seoul angesehen wird. Ich sah sogar, wo die SNU-Shuttle-Busse geparkt werden. Trotz dieser Lage scheint es ein beliebter Ort für Hochzeiten zu sein. Angeblich können dort nur SNU-Studenten/Personal heiraten und die Termine sind schnell vergriffen. 
Neben den ganzen Gästen waren auch alle Master-Studenten und Geo-Professoren eingeladen. Die meisten Profs haben aber nur ihr Geldgeschenk abgegeben und sie sind ohne sich die Trauung anzuschauen direkt Essen gegangen. Auf dem Altar war das SNU-Logo ganz groß aufgeklebt und die musikalische Begleitung war auf sehr hohem Level. Deswegen glaube ich, dass es sich um Musik-Studenten von der SNU gehandelt hat. 
Was mich wirklich überrascht hat, war, dass die Trauung von unserem Verkehrsgeographie-Professoren durchgeführt wurde. Ein wenig kam es dann wie eine Vorlesung über das Leben als Ehepaar vor, aber es hatte seine Rolle super gemacht. Er ließ es natürlich nicht aus, seiner Rede einen geographischen Bezug zu geben: Es wurde eine Umfrage für den schnellsten Weg zwischen zwei Städten durchgeführt und als Ergebnis kam heraus, dass wenn man mit einer Person, die man liebt, unterwegs ist, die Zeit am schnellsten vergeht. So sollten auch die Frischvermählten den Weg des Lebens gemeinsam genießen und glücklich zurücklegen. 

04/05/13 - Koreanisch-Lernziel 2013

TOPIK Level 5! Das ist mein Lernziel für dieses Jahr. Also es geht jetzt von der Mittelstufe hoch zu dem Fortgeschrittenen-Test. Ähnlich wie zwischen Anfänger und Mittelstufe (also zwischen Level 2 und 3), ist auch hier der Sprung (von 4 auf 5) größer als innerhalb einer Stufe (1 zu 2 oder 3 zu 4). Deswegen weiß ich nicht, ob es direkt beim ersten Anlauf klappen wird, aber in der letzten Zeit fühle ich mich sehr selbstbewusst im Koreanischen.
Im Juli werde ich den TOPIK für Fortgeschrittene (고급) schreiben. Zur Übung habe ich ein paar Tests gemacht und ich würde jetzt sehr sehr sehr knapp bestehen. Wobei ich hier auch sagen muss, dass ich die vier Teile nie direkt hintereinander gemacht habe. Es könnte gut sein, dass unter Prüfungbedingungen meine Leistung nach einiger gewissen einer Stunde abnimmt und ich dann einen Teil nicht bestehe. Aber ich glaube, dass ich es mit ein wenig Vorbereitung schaffen kann. 
2011 bekam ich TOPIK Level 3, 2012 TOPIK Level 4 und hoffentlich in diesem Jahr TOPIK Level 5. Das sehe ich als eine gute Leistung, worauf man stolz sein kann. Klar muss man dazu sagen, dass ein Test nicht unbedingt die wirkliche Sprachkompetenz wiederspiegelt. Beim TOPIK wird kein Sprechen getestet und das ist eigentlich genau der Bereich, wo ich noch meine größte Schwäche sehe. Trotzdem ist es gut um seinen Lernfortschritt zu prüfen und einen Lernerfolg festzuhalten. Es kann auch gut sein, dass ich den TOPIK für Fortgeschrittene nicht direkt bestehe, dann werde ich es noch einmal gegen Ende des Jahres versuchen.

13/04/13 - Korea in den Medien

Wie natürlich jeder gemerkt hat, ist die Thematik Korea/Nordkorea zurzeit sehr stark in den Medien vertreten. Wahrscheinlich glaubt mir keiner, wenn ich sage, dass es komplett unerklärlich für mich ist. 

Es liegt an dem einfachen Grund, dass jeder in Seoul sein Leben ganz normal weiter lebt und sich wirklich nichts am Alltag in den letzten Wochen verändert hat. Niemand macht Hamsterkäufe oder dreht wegen der Berichterstattung durch. Ein weiterer Grund ist, dass die wahren Nordkorea-Experten auch keine erhöhtes Risiko aus dem Norden sehen. Wenn ich jemanden im Bezug auf Nordkorea vertraue, dann ist es Andrei Lankov. Dieser hat in der New York Times seine Meinung über Nordkoreas Handlungen geschrieben: "Stay Cool, Call North Korea's Bluff". Hauptsächlich sagt er, dass die ganzen Provokationen und Meldungen aus Pyongyang mehr im Kontext gesehen werden müssen. Ebenfalls sagt Lankov, dass das Ausland übertriebener reagiert als es Südkorea tut.

Schaut euch einfach einmal an, wie oft "Korea" in den Schlagzeilen auftaucht (laut Google Trends):


Fällt euch etwas auf? Die Berichterstattung in den letzten Wochen steht in keiner Relation zu den vergangenen drei Jahren. Dabei wurde Ende 2010 eine Insel beschossen und im März 2011 ein Kampfschiff Südkoreas versenkt. Es scheint mir, als ob die Medien sich darauf stürzen, weil es ein so bequemes Thema ist. Man wartet bis Nordkorea etwas veröffentlicht, übersetzt (oder zitiert über Dritte) und schon hat man eine Meldung von einem bevorstehenden Krieg. Es ist bei weitem nicht so gefährlich wie in Syrien, wo eigentlich gerade ein richtiger Bürgerkrieg stattfindet. 

Ich merke auch, dass viele Reporter auf einmal nach Südkorea reisen um live vor Ort zu berichten. Wenn ich deren Berichte mit den schon seit Jahren ansässigen Journalisten vergleiche, merke ich auf jeden Fall einen gewaltigen Unterschied in der Qualität und Tiefe des Berichts. Bei englischen Journalisten habe ich das Gefühl, dass jeder, der als (semi-)professioneller Journalist in Südkorea tätig ist, als Nordkorea-Experte in irgendwelchen ausländischen Interviews auftrat. Egal, ob er sich mit Nordkorea beschäftigt hat oder nicht. 

Macht euch keine Sorgen. Hier ist, wie Andrei Lankov treffend sagt, "business as usual".

06/04/13 - Suneung, das koreanische Abitur

Stellt euch vor, dass das deutsche Abitur auf einen Tag reduziert wäre und man von morgens 9 Uhr bis abends 18 Uhr einen Test schreibt, der darüber entscheidet, ob man an eine gute Universität kommt. Im Endeffekt wird somit fast das ganze Leben bestimmt. Zu mindestens denken so ein Großteil der Koreaner. Dieser Abschluss-Test heißt Suneung (수능). Ich stieß auf diese Kurz-Doku, die den Test sehr umfangreich schildert:

ExamiNation: a short documentary from Judy Suh on Vimeo.

Man sieht, wie sich das gesamte Leben in dieser Periode nur um Suneung dreht. Der Druck ist wirklich immens. Wie die Doku zeigt, kommt auch sehr viel Druck von Eltern, die am Testtag vor der Schule warten oder im Tempel für ein gutes Ergebnis beten. Freund von mir meinen, dass das Testergebnis davon abhängt, wie viel (oder besser gesagt, wie wenig) man in der Lernzeit schläft. Ein guter Freund hatte beim Suneung am besten von seinem Jahrgang an seiner Schule abgeschnitten, aber trotzdem wurde er nicht von der Seoul National Universität genommen.

Wer selbt einmal den Abschlusstest ausprobieren möchte, kann hier den vergangenen Suneung herunterladen

01/04/13 - Meine Worte auf Deutsch und sechs weiteren Sprachen

Auf meiner englischen Seite Kojects habe ich mehrere Beiträge über die Veränderungen auf der Sejong-Promenade geschrieben:

Vision of a Pedestrian-Friendly Seoul

Sejong-ro as a Pedestrian Zone

Let’s Propose Events for Sejong-ro

Suggestion for Sejong-ro’s Car-Free Day

Alle Beiträge können auch unter dem Tag Sejong-ro aufgerufen werden. Das war zuerst gar nicht als eine Serie geplant, aber durch die häufige Erwähnung in den Nachrichten und den vielen neuen Entwicklungen kam es dazu, dass ich mehrere Beiträge im kurzem Abstand über dieses Thema schrieb.

Warum ich das erwähne? Das führte nämlich irgendwie dazu, dass ein Autor von Korea.net, dem offiziellen Portal Koreas, auf mich Aufmerksam wurde. Aus gegebenen Anlass war er dabei einen Bericht über den Auto-freien Sonntag an der Sejong-Straße zu schreiben und er wollte meine Meinung über die ganze Sache in den Beitrag integrieren. Die Interview-Fragen wurden mir per E-Mail auf Englisch geschickt und dann wurden einige meiner Antworten im Bericht verarbeitet. Somit stand ich auf einmal als Experte dar. Hier geht es zum fertigen Bericht über den Auto-freien Sonntag zwischen Königspalast und Gwanghwamun-U-Bahn im Original.
Das war auch eine gute Werbung für Kojects. Das Beste war aber, dass dieser Artikel dann in sieben weitere Sprachen übersetzt wurde. Also wer will, kann hier den Artikel auch auf Arabisch, Chinesisch, Französisch, Japanisch, RussischSpanisch und sogar auf Deutsch lesen (nur Vietnamesisch fehlt). Der Artikel heißt auf Deutsch "Die Straße am Gwanghwamun-Tor schließt für einen Markt in verkehrsberuhigter Zone". Es ist irgendwie lustig, meine eigenen Worte von jemand Anderen ins Deutsche übersetzt zu bekommen. Auf Korea.Net gibt es sehr viele gute Artikel, davon viele auch mit einem geographischen Bezug. Es lohnt sich dort regelmäßig vorbeizuschauen.

Frohe Ostern (dieser Beitrag enthält keinen April-Scherz!)!